Die Weiterleitung unserer Daten
Im Kern sind herkömmliche VPNs und dVPNs verschlüsselte Netzwerke, über die Nutzerdaten geleitet werden, um unsere Identität und unsere Aktivitäten zu verbergen.
Der Unterschied - dezentrale VPNs haben eine ganz andere Architektur, die mehr Sicherheit und Anonymität bietet. Das gelingt, indem sie die Nutzerdaten dezentralisieren - unsere gesamte Online-Aktivität wird ohne zentrale Kontrolle und ohne Protokollierung weitergeleitet. Schauen wir uns den Unterschied an.
Ein VPN funktioniert wie ein Proxy. Wenn wir mit einem VPN online etwas tun, wird unser Datenverkehr verschlüsselt und über den oder die eigenen Server des VPN-Anbieters geleitet. Unter anderem wird dabei unsere individuelle IP-Adresse verborgen und durch die IP-Adresse des VPN ersetzt. Wenn also neugierige Blicke herausfinden wollen, wer zum Beispiel online etwas liest, sieht es so aus, als wäre das VPN der Leser, nicht du.
Mit einem VPN geben wir alle potenziellen Teile unseres Puzzles an eine vertrauenswürdige Partei, damit sie diese sicher weiterleitet. Dazu gehören unsere IP-Adressen, Metadaten, unser Verhalten im Netz usw. In den meisten alltäglichen Situationen kann das unsere Identität bis zu einem gewissen Grad wirksam verschleiern.
Ein dVPN schützt uns jedoch auf deutlich raffiniertere Weise. Es gibt stattdessen jedes Puzzleteil einer anderen Person zur Weiterleitung. Dadurch bleibt nicht nur unsere Identität verborgen: Es verhindert auch, dass ein einzelner Mensch oder eine einzelne Stelle das Gesamtbild zu sehen bekommt.
Zentralisierte und dezentralisierte VPN-Architekturen
Die Unterschiede zwischen beiden Optionen liegen in den Architekturen, auf denen VPNs und dVPNs aufbauen. Ein VPN stützt sich auf zentrale Server, die dem Dienstanbieter gehören und von ihm kontrolliert werden und als einzelner Proxy fungieren. Das heißt auch: Es gibt einen zentralen Kontroll- und Ausfallpunkt, den Hacker oder externe Überwacher ausnutzen können.
Ein dVPN verteilt die Nutzerdaten dagegen über ein dezentrales Netzwerk aus mehreren „Knoten“. Statt eines einzelnen Proxys hat ein dVPN mehrere Server als Knoten, die unabhängig voneinander betrieben werden und unverkettbar sind. Mit einem dVPN können deine Online-Aktivitäten endlich frei von den Risiken zentraler Koordination und Protokollierung sein.
Sowohl VPNs als auch dVPNs bieten verschlüsselte Wege, unsere Online-Aktivitäten umzuleiten und zu verschleiern. Ihre Architekturen bieten jedoch grundlegend unterschiedlichen Schutz. Auch wenn ein herkömmliches VPN deine Daten verschlüsselt, werden sie trotzdem zentral geroutet. Bei einem dVPN sind deine Daten sicherer, weil sie an keiner einzelnen Stelle lesbar sind.
Mit einem dVPN wird Überwachung durch Dritte äußerst schwierig, und Datenlecks sind nahezu ausgeschlossen.
Ein genauerer Blick darauf, wie dezentrale VPNs funktionieren
Dezentralisierung
Dezentrale VPNs nutzen ein Netzwerk aus unabhängigen Knoten/Servern. Wenn du ein dVPN nutzt, wird dein Datenverkehr zuerst an diese Knoten gesendet und erreicht erst dann die Website, die du besuchen willst. Dadurch ist es für andere (fast) unmöglich, deine Internetaktivitäten auszuspionieren. Ein wichtiger Punkt - die Knoten gehören nicht dem dezentralen VPN-Anbieter und werden auch nicht von ihm betrieben, und genau das macht den Unterschied.
Ein herkömmliches VPN stützt sich dagegen auf eine Reihe von Servern, die der VPN-Anbieter kontrolliert. Wird der Anbieter Opfer eines Cyberangriffs oder gibt er seine Daten preis, können auch deine Daten gefährdet sein.
Stell dir vor, deine Spuren im Internet sind ein Puzzle - um dich auszuspionieren, müssten Angreifer es vervollständigen. Bei einem dezentralen VPN liegen alle Puzzleteile in getrennten Kisten an verschiedenen Orten. Bei einem herkömmlichen VPN liegen alle Teile in derselben Kiste. Liegen alle Teile an einem Ort, lassen sie sich leichter zusammensetzen, und das vollständige Bild ist schnell da.
Hacker und Überwachungsbehörden haben es vor allem auf zentralisierte Server abgesehen. Deshalb sind die Knoten eines dVPN strategisch auf verschiedene geografische Standorte verteilt. Weil die Nutzerdaten auf diese Weise dezentralisiert werden, wird es für bestimmte Behörden und Angreifer schwerer, uns zu verfolgen und auszunutzen.
Wie viele Hops ein dVPN-Dienst bieten kann, bestimmt natürlich sein Schutzniveau. Mehrere Hops können aber auch eine höhere Latenz oder eine langsamere Übertragung bedeuten. Deshalb ist es wichtig, genau hinzuschauen, was ein dVPN-Dienst leistet. Für maximale Sicherheit kannst du mitunter bis zu fünf Hops wählen, eine Möglichkeit, die nur ein Dienst wie NymVPN bietet.
Verschlüsselung
dVPNs bauen auf der VPN-Technologie auf, und auch bei ihnen ist Verschlüsselung entscheidend. dVPNs nutzen Public-Key-Kryptografie und digitale Signaturen, um Nutzer zu verifizieren und die Datenintegrität sicherzustellen. Damit die Vertraulichkeit gewahrt bleibt, werden Nutzerdaten in einem dVPN mit robusten Algorithmen wie AES oder [RSA](https://en.wikipedia.org/wiki/RSA_\\(cryptosystem\\) verschlüsselt. So entstehen vertrauenswürdige Verbindungen zwischen den Netzwerkknoten, über die nur autorisierte Parteien Daten austauschen können.
Vertrau nicht, bleib anonym
Bei einem VPN fungiert ein einziges Unternehmen als alleiniges Relay und zentralisiert damit alle Teile des Gesamtbilds unserer Aktivitäten. Wie gut unsere Daten auch verschlüsselt sein mögen: Sie laufen über die Server des Unternehmens und können dort potenziell protokolliert werden. In den Händen dieser Unternehmen sind unsere Daten nur dann geschützt, wenn deren Infrastruktur sicher genug ist. Außerdem müssen wir darauf vertrauen, dass sie ihre eigenen Nutzungsbedingungen zum Datenschutz einhalten.
Warum ein dezentrales VPN einer „No-Logs“-Richtlinie vorziehen?
Manche fragen sich trotzdem: Reicht es nicht, einfach der „No-Logs“-Richtlinie eines VPN-Anbieters zu vertrauen? Letztlich ist das eine Frage des Vertrauens. Vertrauen wir darauf, dass der Dienstanbieter seine Datenschutzzusagen einhält? Oder kann eine dezentrale Struktur diese Unsicherheit ganz beseitigen?
Mit „No-Logs“-Richtlinien versuchen VPNs, das Vertrauen der Nutzer zu gewinnen: Sie versprechen, Online-Aktivitäten, Sitzungszeiten oder Verbindungen vorgeblich nicht zu verfolgen. Deshalb wählen viele Nutzer für Anonymität und Datenschutz VPNs mit strengen No-Logs-Richtlinien. Doch es gibt wichtige Risiken, die dVPNs komplett vermeiden können.
Eine No-Logs-Richtlinie verspricht zwar Privatsphäre und Datensicherheit, aber letztlich müssen Nutzer darauf vertrauen, dass der VPN-Anbieter seine Versprechen zum Schutz ihrer Privatsphäre auch wirklich einhält. Diese Zusagen können jederzeit ausgehöhlt werden, etwa durch staatlichen Druck oder schlicht durch Datenlecks oder böswillige Angriffe. Diese Risiken sind in der Architektur angelegt. Kehren wir also zu der Frage zurück, was wir mit all unseren Puzzleteilen tun sollen.
Wenn wir alle Teile unserer Informationen jemandem anvertrauen, dem wir vertrauen zu können glauben, übersehen wir womöglich einige Risiken. Am offensichtlichsten ist: Diese Personen sind vielleicht gar nicht vertrauenswürdig. Sie könnten zum Beispiel gezwungen werden, alle Teile an eine andere Partei weiterzugeben. Aber auch vertrauenswürdige Personen können unser Puzzle schlicht nicht sicher aufbewahren: Sie verlieren Teile, oder einige werden gestohlen. Datenlecks, das Abgreifen von Metadaten und Hacking sind reale Risiken, denen wir alle ausgesetzt sind.
dVPNs bieten uns eine Möglichkeit, all diese Unsicherheiten zu umgehen. Stell dir vor: keine zentralen Zugangspunkte oder Schwachstellen und keine einzelne Stelle, die das Ganze gefährden könnte. Bei herkömmlichen VPNs müssen wir uns auf Vertrauen verlassen. Warum also nicht auf eine dezentrale Infrastruktur setzen, die die ganze Arbeit übernimmt? Weil unsere Daten nie an einer einzigen Stelle liegen und lesbar sind, sind unsere Privatsphäre und Sicherheit insgesamt besser gewährleistet.
Nachteile dezentraler VPNs
Mehr Privatsphäre hat ihren Preis - deshalb sind dezentrale VPNs oft langsamer als herkömmliche. Das liegt vor allem daran, dass das Netzwerk aus Knoten/Servern verteilt ist und von unabhängigen Betreibern getragen wird, die sich freiwillig um den Erhalt des Netzwerks kümmern.
NymVPN versucht, dieses Problem zu lösen, indem es Betreiber belohnt, die das Netzwerk mit aufrechterhalten.
Die Wahl des besten dezentralen VPNs
Im wachsenden Feld von Online-Privatsphäre und -Sicherheit sind viele dezentrale VPN-Plattformen mit unterschiedlichen Funktionen entstanden.
Hier findest du einige der besten dezentralen VPNs:
- Orchid Protocol: Ein dezentrales Multi-Hop-VPN auf Blockchain-Basis.
- Mysterium Network: Auch dieses VPN basiert auf der Blockchain. Sein dezentrales Netzwerk gehört zu den größten der Welt.
- Sentinel: Die Software von Sentinel ist Open Source und damit eine transparentere Option.
- NymVPN: NymVPN ist eine neue Art von dezentralem VPN, das auf einem Mixnet basiert und versucht, die Probleme dezentraler VPNs zu lösen, ohne das Versprechen von mehr Privatsphäre zu brechen.